Worauf es ankommt…

… im Leben

frag ich mich mal wieder und hänge dem Gedanken ernsthafter nach als sonst. Vom ersten Augenblick unseres Seins tun wir nichts anderes als wachsen. Die ersten Monate wachsen wir so rasant das wir im neunten schlüpfen müssen und dann geht’s munter weiter. Irgendwann spätestens kurz vor den Zwanzigern hören wir glücklicher Weise zumindest physisch damit auf. Dann aber kommt es immer öfter auf unsere Entscheidung, unsere Bereitschaft zum Wachsen an. Wer das tut, der findet meist auch oder gerade durch die verschlungenen Wege des Lebens Möglichkeiten der Entfaltung. Denn, das so meine ich, suchen wir alle, die Entfaltung und das Erblühen unserer Talente und Fähigkeiten. Eigentlich haben das alle Lebewesen als Entwicklungsprogramm grundgelegt, das Wachstum und die Ausrichtung zum Licht hin. Ich muss nur meine Zimmerpflanzen beobachten, die alle ihre Hälse in Richtung Sonne verrenken. Der große Unterschied zu uns Menschen ist, dass wir uns auch gegen diese gesunde Wachsrichtung entscheiden können.

Worauf kommt es also an im Leben?

Wachstum und Entfaltung allein kanns wohl nicht sein. Die Ausrichtung zur Sonne hin allein wohl auch nicht. Entscheidend ist so wie ich das wahrnehme auch wie wir die Dinge, die wir tun, tun. Also, was wir tun, ist unter Umständen gar nicht so bedeutsam, sondern wie wir es tun. In diesem Jahr habe ich eine erstaunliche Geschichte erlebt, für die wir ins Jahr 1992 zurück reisen müssen.

Damals, es ist genau 28 Jahre her, fand ich schon im Herbst ein Weihnachtsgeschenk für meinen Vater. Es war einer dieser Geistesblitze, die mich überfiel. Meine Mutter behauptete steif und fest, man könne keine schönen Photos von ihr machen. Ich war begeistert im Photoclub unserer Schule engagiert und entwickelte alle meine Photos selber. Gemeinsam mit einer Freundin rühmten wir uns selbstbewusst, wir wären in der Lage von jedem Menschen ein schönes Foto zu machen. Es käme allein auf den Fotografen an, die innere Schönheit, die in jedem Menschen schlummere festzuhalten. Und nun behauptete meine Mutter mit ihr sei das unmöglich. Meine Mutter war eine schöne Frau. Folglich wollte ich ihr zeigen, dass ich in der Lage sei, ein Foto von ihr zu machen, dass ihre Schönheit und zwar die Innere festzuhalten vermochte. So kam mir die Idee, dieses Foto meinem Vater zu Weihnachten zu schenken, damit er immer ein schönes Foto von seiner Frau hätte. Weil ich ja ein Geschenk für meinen Vater machen wollte, ließ sich meine Mutter zu der Aktion überreden und tatsächlich gelang es mir ein Foto zu knipsen, das sie zufrieden stellte. Zu Weihnachten öffnete mein Vater sein Geschenk und fand es sicherlich ganz nett. 27 Jahre und 4 Monate später ganz plötzlich starb meine Mutter und hinterließ ein Loch im Herzen meines Vaters. Als ich ihn nach der Beerdigung wieder besuchte, war es dieses Foto, das er überall gesucht hatte und, das ihn an seine Frau und meine Mutter erinnerte wie sie war.

Wen wir Dinge mit Liebe tun dann bleiben sie bestehen und helfen uns zu wachsen auch in den schweren Zeiten. Damals vor 28 Jahren schoss ich ein Foto aus Liebe, um meiner Mama zu zeigen, wie schön sie ist und, weil ich meinem Vater mit dem Bild meiner Mutter auch ein Stück meiner Liebe schenken wollte. Bis zum Tod meiner Mutter hatte ich keine Ahnung, dass mein Vater die Liebe in diesem Bild erkennen konnte. Nun ist es ein Sinnbild geworden, dass uns die Liebe wachsen lässt, in schweren Zeiten den Raum schafft, dass wir wie so mancher Löwenzahn auch durch den Beton uns nach dem Licht ausstrecken.

Worauf es ankommt in der Begleitung unserer Kinder…

…ist, dass wir sie wachsen lassen, ihnen den Raum dafür geben. Für jedes Kind, aber auch für jeden Menschen mag Wachstum etwas ganz unterschiedliches bedeuten. Für den einen ist es ein Auftritt auf der Bühne, für den anderen sind es fünf Sätze richtig zu schreiben. Der eine findet den Raum, um zu wachsen im Homeschooling und der andere in der Regelschule. Ich träume von einer Welt in der beides okay ist und in der es nur darum geht, dass jeder Mensch wachsen und gedeihen darf. Das wäre doch schön, oder?