Wir haben es geschafft!

Ich musste sie mir einfach kaufen diese Tasse. Unbedingt. Eigentlich finde ich ihren Preis viel zu hoch, überteuert. Trotzdem umkreiste ich sie, begutachtete und umkreiste sie immer wieder, so lange bis ich feststellte: „Diese Tasse ist sinnvoll!“ Ich brauche eine „Alles ist jetzt gut“ Tasse, eine die mich daran erinnert, dass der ganze Spuck endlich vorbei ist. Eine Gedächtnisstütze, die mir sagt, dass ich jetzt durchatmen darf. Mein Ältester geht gerade noch zur Schule. So bin ich mit einem Bein in den Ferien, mit dem anderen im System. Einem System, das versucht alle Corona Ausfälle aufzuholen. Das hofft den Jahresstoff trotz Lock Down irgendwie und am Besten komplett durchzubringen. Das stresst mich. Ich brauche jetzt Ferien.

Jedes Mal wenn ich einen Schluck aus dieser hübschen Tasse nehme, umgibt mich herrlicher Kaffeeduft und ich höre wie sie mich erinnert: „Ihr habt es wirklich geschafft! Du darfst dich jetzt entspannen.“ Ich gestehe in der letzten Zeit ist mir die Anspannung in Fleisch und Blut übergegangen. „In echt“, wie mein Jüngster zu sagen pflegt.

Diese Externistenprüfung, die wir letzte Woche am Dienstag absolvierten, sie raubt mir jedes Jahr den letzten Nerv. Bis zum D-Day kreisen ständig Gedanken wie Aasgeier in meinem Kopf herum. „Werden. die uns unbekannten Lehrer achtsam mit meinem Sohn umgehen? Werden sie berücksichtigen, dass er eine zertifizierte, mangelnde Impulskontrolle hat und sich deshalb nur schwer konzentrieren kann? Oder gehören diese Lehrer zu den Leuten, die denken ADHS sei purer Blödsinn und daraus folgern, mein Sohn wäre einfach nur schlecht erzogen?“ Auch Lehrer sind Menschen und somit sehr verschieden. Es gibt Gute, es gibt Schlechte, wie überall. Na ja, und irgendeiner dieser Menschen entscheidet an besagtem D-Day jedes Jahr, ob wir weiterhin daheim Schule machen dürfen. Ich hoffe immer inständig, dass wir gute Lehrer treffen. Wenn nämlich einer dieser Lehrer befindet, dass mein Sohn den Jahresstoff, der jeweiligen Schulstufe nicht beherrscht, ist es aus und vorbei mit dem Homeschoolen. Mein Sohn müsste in dem Fall, die Klasse im System wiederholen. Mir würde die Lizenz zum Homeschoolen entzogen -für immer. Druck ist auf alle Fälle vorhanden. Wer auch immer behauptet, eine Externistenprüfung sei ein Kinderspiel, der hat keine Ahnung. Diese Prüfung ist ein Drahtseilakt. So frage ich mich jedes Mal: „Wird mein kleiner Sohn den Druck aushalten? Wird er die Leistung erbringen und auf Knopfdruck in einem ihm fremden Gebäude bei einer fremden Person den gesamten Jahresstoff ausspucken können?“

Alleine das Schreiben, diese Gedanken, stresst mich. So nehme ich noch einen tiefen Schluck aus meiner Tasse. Ziehe den Kaffeeduft in meine Nase und erinnere mich wieder: „Es ist vorbei! Wir haben es geschafft!“ Die Sorgen schick ich ganz weit weg. Im nächsten Jahr erst werde ich mich wieder mit ihnen herumschlagen.

Sobald ich das Zeugnis nächste Woche am 7.Juli in der Tasche habe, werde ich die Story über unsere Externistenprüfung in meinem Blog veröffentlichen. Denn solange ich keinen amtlich beglaubigten Zettel habe, veröffentliche ich nichts. Vorsicht ist die Mutter der Porzellanpuppe. Wer also wissen will, „How it feels to become a champion“, dem rate ich, nächste Woche Mittwoch mal bei mir vorbeizuschauen.

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