Warum Charlotte Mason für Homeschooler so interessant ist

Sie muss eine mutige, außergewöhnliche Frau gewesen sein, diese Charlotte Mason. Ihrer Zeit meilenweit voraus und deshalb heute immer noch brandaktuell.

In einer Zeit da für Kinder die Devise galt „children should be seen but not heard“, entwickelte Charlotte Mason ein pädagogisches Konzept, das die Person des Kindes in den Mittelpunkt stellt, ohne dabei das Kind zum Nabel der Welt zu erklären. Sie wollte keine Pädagogikkonzepte im weißen Elfenbeinturm spinnen, sondern unterzog ihre Theorien immer einem Realitätscheck im Schulalltag. Dabei stellte sie u.a. fest, dass Kinder besonders gut Lernen, wenn auch die Eltern mit im Boot sitzen. So beschäftigte sie sich intensiv mit der Lernumgebung der Kinder, also ihrem zu Hause. Ihre Gedanken und Ideen begeisterten Eltern mit denen sie gemeinsam eine Elternorganisation „Parents National Education Union“ gründete. Ich fragte mich lange, weshalb waren ihr die Eltern so wichtig? Warum gründete sie mit der von ihr ins Leben gerufenen Elternorganisation quasi eine Ausbildung zum Homeschooling?

1876 führe England die Bildungspflicht ein. Wie auch heute in Österreich konnten sich Eltern damals in England entscheiden, ob sie ihre Kinder zu Hause unterrichten möchten oder in der Schule. Sie wurden lediglich dazu verpflichtet ihren Kindern Bildung zu bieten. Allerdings waren alle Schulen damals kostenpflichtig und der Staat übernahm keinerlei Kosten. Gerade arme Familien standen deshalb vor einem Dilemma. Schulgeld war im Familienbudget keines vorhanden und Wissen und Bildung besaßen sie selbst kaum. Charlotte Mason erkannt diese Not. Um den Familien zu helfen und insbesondere armen Kindern eine Chance auf ein besseres Leben zu bieten, organisierte sie Ausbildungsworkshops für Eltern. Sie rief quasi eine Ausbildung für Homeschooler ins Leben. Auch wenn zahlreiche Schulen, v.a. im englischsprachigen Raum auch heutzutage mit ihrer Methode arbeiten, ist sie gerade den Homeschoolern sozusagen auf den Leib zugeschnitten. Denn alle Erkenntnisse, die sie in Zusammenarbeit mit den Eltern gewann, ließ sie in ihr Konzept einfließen.

Ein weiterer Grund, weshalb Charlotte Mason Homeschoolern hilfreiche Impulse geben kann, ist die Tatsache, dass ihre Methode darauf abzielt, Kindern Wissen so zu vermitteln, dass es nachhaltig hängen bleibt. Ein solches Lernen ist klarer Weise für jeden Menschen sinnvoll und wünschenswert. In der Praxis lernen Schüler allerdings oft nur von Prüfung zu Prüfung. Danach kann ein Schüler des Regelschulsystems den Stoff mehr oder weniger getrost wieder vergessen. Homeschooler, die eine Jahresprüfung zu absolvieren haben, sollten ein solches Lernen vermeiden. Auch wenn ich die Externistenprüfung für die Geißel fast jeden Homeschoolers halte, hat sie zumindest den Vorteil: Wir sind gezwungen Lernmethoden zu finden, die uns das Wissen auf Dauer präsent halten. Kern der Charlotte Mason Methode ist die Freude am Lernen. Wer mit Freude lernt, der behält auch gern und besser das Gelernte. Dies bestätigen uns Hirnforscher wie Gerdhard Hüther.

Eine deutschsprachige Podcastreihe über Charlotte Mason

In einer Podcastreihe möchte ich anhand von Praxisbeispielen aus unserem Homeschoolalltag zeigen wie wir diese Methode konkret zu Hause leben. Von Anfang an hatte die Charlotte Mason Methode ihren fixen Platz in unserem Lernalltag. Sie berreichert unser Leben auf vielfältige Weise.

Brandaktuelle: Online Workshop über die Charlotte Mason Methode

Für alle, die sich mit dieser Methode näher auseinandersetzen möchten, empfehle ich den Workshop über Charlotte Mason, der am 17.11.2020 von der Erziehungswissenschaftlerin Bettina Dekker online abgehalten wird. Bettina Dekker hat sich intensiv mit Charlotte Mason beschäftigt, sowohl theoretisch als auch praktisch als Homeschool-Mum.

Anmeldung: https://www.homeschoolerinaustria.at/

Lebendiges Lernen in der Natur ein wichtiger methodischer Ansatz Charlotte Mason’s und gerade für Homeschooler gut umsetzbar