Waldbaden gegen den Corona – Blues

Kampf dem Lagerkoller! Raus in die Natur. Ich sitze auf einem Baumstumpf halte mein Gesicht in die Sonne, sehe Spinnweben in der Luft flirren und schaue meinen Kindern zu wie sie an ihrer Hütte bauen. „Mama, komm her hilf mir mit den Zweigen.“ Sonnenstrahlen blinzeln durch die Bäume hindurch, kitzeln mich in der Nase. „Gleich,“ rufe ich um noch einen kurzen Moment genüsslichen Waldbadens für mich zu gewinnen.

Zu Beginn der Restriktionen war mir sofort klar: Wir müssen jeden Tag in den Wald, sonst fällt uns die Decke auf den Kopf und dann haben wir alle einen Dachschaden. Gar nicht gut! Getrieben von bösen Vorahnungen, setzte ich konsequent meinen Vorsatz um.

Die erste Woche herrschte ein strukturiertes Regime. Nordic Walking mit dem Liebsten, dann Frühstück und Homeschooling-Routine. Nach dem Mittagessen Siesta für mich und Hörspiel für die Kinder. Nach dem Essen fiel ich die ersten drei Tage erschöpft aufs Sofa. Völlig fertig. Oh mein Gott, das halte ich vielleicht höchstens eine Woche durch? Zwei Kinder unterrichten und ein drittes Mitbetreuen plus Haushalt ist echt harte Arbeit. Doch eigentlich lief alles wie am Schnürchen. Die Kinder arbeiteten gut im Unterricht mit, die frische Luft tat uns gut und wir hatten definitiv schöne Qualitätsmomente. Am Ende der Woche war ich energiegeladen, positiv und klopfte mir selbst als geübte, erfolgreiche Homeschool – Mum auf die Schulter. „Mann oh Mann, ich bin echt gut,“ dachte ich.

Es regnete am Samstag und wir blieben gemütlich daheim. Am Sonntag veranstalteten wir einen „Muss ma nix Tag“. Die Idylle bekam erste Brüche. Mach ma an Spaziergang. Bewegung, frische Luft, das wird die Stimmung aufhellen. Ein kurzer Lichtstrahl des Friedens flackerte tatsächlich zaghaft auf. Doch in Null Komma nix wurde er von einer Welle der Disharmonie ausgelöscht. „Mein strukturiertes Alltagsregime wird uns in ein harmonisches Miteinander zurückführen,“ dachte ich. Bis zum Mittagessen ruckelten wir halbwegs friedlich durch die morgendliche Routine. Als ich dann aber meine geliebte Siesta einhalten wollte, brandete ein Kriegsgeschwader größerer Ordnung los. Wutentbrannt beteiligte ich mich aufgrund meiner zerstörten Siesta am Kriegsgeschehen. Jeder ballerte drauf los und irgendwann gab es eine enorme Explosion. An diesem Tag dauerte es lange bis wir ehrlichen Herzens die weiße Flagge hissen konnten.

Da endlich begriff ich : Wir müssen zurück in den Wald.

Ab unter die Bäume, die scheinbar die menschliche Natur am nachhaltigsten regulieren. „Mama jetzt komm schon!“ So erhebe ich mich von meinem Baumstumpf. Helfe meinem Mittleren ein Dach aus Zweigen für seine Hütte zu bauen und genieße den Frieden. Auf dem Rückweg unterhalten wir uns nett über Tierspuren, Weihnachtswünsche, die man nie früh genug an die Mutter bringen kann und planen den Abend. Wir alle sind entspannt und morgen gehen wir auf alle Fälle wieder in den Wald.