Urlaubsreif? Ab an die Ostsee

Alles ist möglich oder unverhofft kommt oft. Das sind in diesem Jahr Titel, die wie die Faust aufs Auge passen. Obwohl wir erst Halbzeit haben, könnte man für das Jahr 2020 getrost eine solche Schlagzeile wählen und das obwohl noch 5 Monate ins Land gehen werden bis ein neues Jahr anbricht. Ich bin so was von urlaubsreif, brauche dringend Tapetenwechsel.

Eigentlich wollten wir dieses Jahr durch den Süden touren, aber diese Unsicherheiten an den Grenzen führten dazu, dass wir eine ganz andere Destination ansteuerten. Eine, die ich niemals aus freien Stücken gewählt hätte.

Lübeck an der Ostsee, 1000 km entfernt, im hohen Norden gelegen

„Besser als nichts,“ dachte ich mir. „Einfach nur weg und auf andere Gedanken kommen.“  So freute ich mich nur mit halbem Herzen als wir ins Auto stiegen und Österreich bei schönstem Sonnenschein verließen. Wir fuhren gerade an Hamburg vorbei. Es regnete und ich wagte einen Blick aufs Außenthermostat. 12 Grad! Auch wenn ich darauf vorbereitet war, versetzte mir diese Erkenntnis schon einen gehörigen Dämpfer.

Erschöpft kamen wir im Haus unserer Freunde, das wir spontan ausborgt hatten, an und fielen sofort in die Betten. Am nächsten Morgen regnete es schon wieder. Ich hatte nichts anderes erwartet und drehte mich nochmals in meinem Federbett um. So war klar: Heute ist unser Museumstag. Die Idee das europäische Hansemuseum Lübecks zu besuchen, fand begeisterten Anklang in der gesamten Familie. Der Himmel war noch grau als wir das Haus verließen. Ein kalter Wind pfiff um die Ecken, doch der Regen hatte aufgehört. So spazierten wir frohgemut los, durch Lübecks Gassen.

Eine lange Menschenschlange begrüßte uns Eingang des Museums, denn natürlich durfte wegen Corona nur eine begrenzte Menschenzahl ins Gebäude hinein. Die Perspektive 2 Stunden warten zu müssen, veranlasste uns wieder einmal zu einer Planänderung. So entdeckten wir das alte Hospiz Lübecks, besuchten eine Kirche, entdeckten eine wunderbare Ausstellung über die Budenbrooks im Behnhaus und erholten uns anschließend zur großen Freude der Kinder beim Mc Donald. Und dann, dann verfiel unsere gesamte Familie einem Shopping Rausch als wir die vielen Sonderangebote auf der Breiten Straße, der Einkaufsstraße Lübecks, entdeckten. Corona sei’s gedankt! Glücklich und zufrieden krochen wir bepackt mit unseren Schätzen zurück in unsere Unterkunft, wo wir uns gemütlich auf die Terrasse setzten.

Als ich am nächsten Tag die Augen aufschlug, schien mir die Sonne ins Gesicht. Ich war wirklich verblüfft! Und so lösten sich die kommenden Tage meine Vorurteile bezüglich Deutschlands Norden in Luft auf. Man kann in der Ostsee sogar schwimmen ohne sich Frostbeulen zu holen. Echt! Ich hab’s getan. Es kostet zwar anfangs etwas Überwindung. Wer den Sprung ins kalte Nass jedoch wagt wird mit einem unbeschreiblichem Frischegefühl belohnt. Es war nie knallheiß, aber so konnten wir ohne schweißgebadet dahinzusiechen das wunderschöne Lübeck in aller Frische genießen. Es gibt natürlich immer mal wieder frische Brisen am Strand. Wenn dem so war, packten wir unseren Drachen raus und ließen ihn steigen. Es ist schon um einiges kühler als in Kroatien, deshalb gibt es dort auch keine Brandgefahr wegen Trockenheit. So wagten wir uns am Strand von Brook ein nettes Feuerchen. Grillten Würste und lernten eine nette Familie kennen, die sich an unserem Feuer wärmen wollte. Daraus entwickelte sich eine unerwartete Urlaubsfreundschaft, die uns alle sehr bereicherte. Unverhofft kommt eben oft.

Dieser Urlaub war einfach herrlich und wir hoffen auf ein Wiedersehen an der Ostsee!

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