Spurensuche – meine Unterrichtsmethode

Es wäre schön, wenn ich schreiben könnte ich hätte die Unterrichtsmethode für mich gefunden. Die Methode, welche ich jedem empfehlen kann. Eine, die Jedermann und Jederfrau nur zu erlernen braucht und dann wird alles gut.

Tut mir leid! Ich habe keine einfache Lösung parat.

Trotzdem möchte ich hier etwas über meine Methode schreiben, darüber wie ich meine Kinder zu Hause unterrichte. Ich denke, dass jeder Unterricht, ob zu Hause oder in der Schule immer ein organischer Prozess ist, ein Weg, den Kinder und Lehrer miteinandergehen. Jede Klasse, jedes Kind ist einzigartig und die Methode passe ich an meine Schüler an. In logischer Konsequenz muss ich meine Methode immer wieder ändern. Das ist mein Schlüssel zum Erfolg. Beide Söhne muss ich auf völlig unterschiedliche Art unterrichten, weil sie grundsätzlich anders funktionieren.

Immer wieder begebe ich mich auf Spurensuche, um den Weg meiner Kinder zu finden und stelle mir deshalb viele Fragen

Was bewegt meine Kinder, diese kleinen Persönlichkeiten, die ich unterrichte? Was motiviert sie und lässt sie über sich selbst hinauswachsen? Was ist die Wurzel für Schwierigkeiten? Wieso sind sie in manchen Bereichen des Lernens gehemmt? Wo und wie kann ich den Schlüssel finden, um Unverständnis oder Blockaden zu beheben?

Wer daheim unterrichtet, glaubt wahrscheinlich seine Kinder in und auswendig zu kennen. Ich stelle fest, dass ich meine Söhne immer wieder neu entdecken darf. Das Fragenstellen ist elementarer Teil meiner Methode. Bevor ich anfange mir Fragen zu stellen, erlebe ich in der Regel mühsame Frustrationen. Da stehe ich wie der Ochs vorm Berg und begreife nicht warum meine Söhne so begriffsstutzig sein können. Warum nur wollen sie nicht so lernen wie ich mir das ausgedacht habe? Meistens komme ich zu guter Letzt zu dem Schluss, dass sie auf meinem Weg nicht lernen können. Also begebe ich mich auf die Suche ihren Weg zu finden, damit ich sie begleiten kann. In meiner Frustration beginne ich oft ihr Verhalten zu interpretieren. In dieser Phase beschlich mich früher manchmal der Gedanke, dass sie gar nicht lernen wollen. Doch mit der Zeit habe ich verstanden, dass sie immer mit mir zusammenarbeiten wollen. Wenn meine Söhne überfordert sind, fangen sie in ihrer Hilflosigkeit an sich wie Wildschweine zu verhalten. Wir Erwachsenen interpretieren dieses Verhalten oft als Verweigerung. Dementsprechend enttäuscht und traurig sind wir dann. Bleiben wir bei dieser Interpretation stehen, so werden wir gemeinsam mit unseren Schülern in der Sackgasse sitzen bleiben und das wahrscheinlich im wahrsten Sinne des Wortes.  Ich bin die Erste, die lernen muss, auf welche Weise meine Kinder am besten Wissen aufnehmen. Deshalb habe ich gelernt gleich nach den Ursachen der Überforderung meiner Kinder zu suchen. Damit spare ich mir und meinen Kindern Zeit und Frust.

Learning by doing  und Augen auf

Auf meiner Spurensuche probiere ich vieles aus. Manchmal ist das ein mühsamer langwieriger Prozess Der Weg hat meist viele Kurven. Das macht ihn spannend, aber auch unvorhersehbar. Im Gespräch mit anderen oder im Internet finde ich Anregungen, die mir neue Ideen für meinen Unterricht liefern. Ich halte die Augen offen und lasse mich von meiner Umgebung inspirieren. Diese Ideen probiere ich aus und schaue, ob sie funktionieren. Wer gut Kopfrechnen will, sollte dies recht häufig tun. Meine beiden Söhne finden lange Listen mit Matheaufgaben unsagbar öde. Mit aufreizender Langsamkeit bearbeiteten sie meine Aufgaben, was mir wiederum meine gute Laune verdarb. Meine Lösung fand ich durch Zufall in der Bibliothek. Ein Mathespiel wurde dort angepriesen: Der Zahlenfluss. Zahlen und vor allem Fluss klang in meinen Ohren wie Musik, denn ich versuchte vergeblich Mathematik ins Fließen zu bringen. Mit diesem Spiel trat der Spaß in unseren Mathematikunterricht. Jeden Tag spielten wir dieses Spiel und mit einem Mal rechneten meine Söhne tagtäglich mit Freude viele Aufgaben.

Long and dirty

Dieser Weg ist ein Prozess, der mich immer wieder fordert. Auch wenn ich mir ab und zu wie Sisyphos vorkomme, merke ich im Nachhinein, das dieser Weg sehr wirkungsvoll ist. Mein Ältester geht nun wieder in die Schule. Wie habe ich mich gefreut als er sagte: “Mama das mit dem Bruchrechnen ist kein Problem. Das hast du mir schon beigebracht.“

Auf der Spurensuche nach lebendigen Ideen

Charlotte Mason meinte, dass Kinder am besten Lernen, wenn sie die Welt durch Geschichten begreifen, die lebendig und inspirierend sind. Sie glaubte, dass trockene Fakten bei den Kindern schnell wieder in Vergessenheit geraten. Deshalb bevorzugte sie zum Beispiel für Biologie das Lernen im Wald selber. Sie vertrat die Ansicht, das lebendige Geschichten den Erwerb von Wissen begünstigen. Ich glaube, dass wir alle so am besten lernen, egal, ob jung oder alt. Deshalb versuche ich alle Unterrichtsgegenstände mit dem echten Leben, das uns umgibt zu verknüpfen. Charlotte Mason ist diesbezüglich meine Inspiration. Ich kann ihre Methoden jedem Homeschooler aber auch Lehrer wärmstens empfehlen. (Toller englischer Podcast, Über Charlotte Mason) Als ich mit meinem Ältesten gemeinsam lernte, wie wir Flächen berechnen, vermaßen wir zunächst unsere Terrasse. Danach berechneten wir die Fläche. Mein Ältester spielt außerdem leidenschaftlich gerne Minecraft. Dort baut er gerne Häuser. Gemeinsam starteten wir ein Inneneinrichtungsprojekt, für das er die Flächen seiner Minecraftwohnungen berechnen musste.

Love is all you need

Es klingt abgedroschen, doch es ist wahr, dass uns die Liebe zur höchsten Leistung befähigt. Nur weil ich meine Söhne liebe, begebe ich mich regelmäßig auf die Suche nach der richtigen Unterrichtsform. Ohne die Liebe, die ich für sie verspüre, könnte ich nie die notwendige Geduld aufbringen, sie auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden zu begleiten. Nur weil meine Söhne mich lieben, lassen sie sich immer wieder mit mir gemeinsam auf Neues ein. Und nur deshalb verlassen wir unsere Komfortzone.

4 Kommentare zu „Spurensuche – meine Unterrichtsmethode“

  1. Wow Heidi, dieser Text ist wirklich berührend und spannend geschrieben…konnte nicht anders als bis unten fertig zu lesen, und das, obwohl ich die Geschichte im echten Leben kenne ☺️
    Besonders schön: der Teil mit der Liebe. ❤️

    Lisa

  2. Großartig! Wirklich gut geschrieben, super Mischung aus Alltag, Persönlichem und Informativen. Gratulation! Besonders gut gefällt mir Die Mischung aus Bildern und Links in den Texten. Weiter so 😀

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code