Sprachduschen – Ein englisches Familienexperiment

Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen. (Friedrich Nietzsche)

Wieder einmal bin ich am Treppensteigen. Bei den schulischen Stufen, die ich derzeit zwangsläufig gemeinsam mit meinem Ältesten besteige, handelt es sich diesmal um Englisch. Durch das Corona Homeschooling wurde mir intensiv vor Augen geführt, dass sich das Englischniveau unseres ältesten Sohnes, um es mal vorsichtig auszudrücken, knapp über dem Boden erhebt. Das Schlimmste und Beste zugleich ist dabei, dass die Ursache nicht in mangelnder Motivation zu suchen ist. Trotz all seiner offensichtlichen Mühen bleibt ihm diese Fremdsprache im wahrsten Sinne des Wortes fremd. Folglich ist die Methode, mit der er Englisch lernen muss, unpassend für sein Hirn.

„Der Weg, den wir beschreiten, führt nicht auf den Berg!“ dachte ich mir in logischer Konsequenz und hielt nach alternativen Pfaden Ausschau. In meiner Verzweiflung kam mir Vera Birkenbihl in den Sinn. Ich frage mich nun im Nachhinein warum ich so lange brauchte, um an sie zu denken, denn immerhin habe ich meinen Blog nach einem ihrer erfolgreichsten Bücher benannt. In ihrem Buch Stroh im Kopf plädiert sie für hirngerechtes Lernen und rennt bei mir offene Türen ein. Die Art und Weise, wie wir Sprachen lernen, sei für unsere Hirnstruktur nur schwer verdaulich, so das Fazit von Frau Birkenbihl. Unser Hirn lerne am effizientesten auf intuitive Art und Weise. Die herkömmliche Regelschulmethode jedoch bringe den Schülern auf merkwürdig konstruierte Art und Weise das Sprechen einer Fremdsprache bei. „Oh das kann ich bestätigen“, denke ich mir. Kein Mensch analysiert die Sätze, die aus seinem Mund kommen oder denkt beim Lesen eines Buches darüber nach warum der Autor das Akkusativobjekt an den Anfang stellt oder weshalb er kein Futur 2 verwendet. Würden wir Autofahren auf die gleiche Weise wie eine Fremdsprachen erlernen, bräuchten wir lange um unfallfrei zu fahren. Intuitiv verwenden wir die Bremse oder das Gaspedal. Wir wechseln selbstverständlich den Gang, wenn wir spüren, dass das notwendig ist. Wer darüber nachdenken muss, wie, ob und wann er schaltet, riskiert leicht einen Getriebeschaden. „Recht hat die Birkenbihl!“ denke ich mir beim Lesen und stoße schnell via Google-Suche auf die Jicki Sprachduschen.

Seit 5 Tagen nun kuschelt sich mein Ältester tagtäglich für 15 Minuten aufs Sofa oder chillt in der Hängematte, während er sich von einer englischen Sprachdusche berieseln lässt. Ruhige, entspannende Klänge, die sein Hirn bei der Aufnahme von Englisch unterstützen sollen, sind zu hören. Entspannung sei überhaupt wichtig, um nachhaltig Informationen in unserem Hirn speichern zu können, meinte Birkenbihl.

„Bruce and the magic beast,“ ertönt die Stimme eines Native Speaker „Bruce und das magische Tier.“ dekodiert dieser Native Speaker im reinsten Deutsch und flötet darauffolgend gleich wieder „Bruce and the magic beast.“ in das Ohr meines Sohnes. Eine Lektion hört sich mein Sohn nun auf vier Tage verteilt an. Das kostet ihn sage und schreibe 15 Minuten seiner kostbaren Zeit. Es geht zunächst einmal ausschließlich ums Hören am ersten Tag. Am zweiten Tag spricht mein Sohn dem Native Speaker nach, am dritten liest er zusätzlich dazu noch den Text und am vierten wiederholt er das ganze nochmals. Damit entsprechen die Jicki Sprachduschen dem Prinzip Birkenbihls, die meint, das Dekodieren, also eine wörtliche 1:1 Übersetzung, aktives Lesen und passives Hören Grundvoraussetzungen zum Erlernen einer Fremdsprache sind.

„Machbar“ lautet mein erster Gedanke. Außerdem können wir beim derzeitigen Stand der Dinge nur gewinnen. Ich ernenne die Jicki Sprachduschen zum offiziellen Familienexperiment und verpflichte autoritär alle Kinder zur täglichen Sprachberieselung. Denn ich habe diese Schulprobleme endgültig satt und hoffe präventiv bei den Jüngeren das Sprachgefühl zu schulen. Die Aussicht auf ein problemloses, zukünftiges Schulleben verleiht mir derartige Flügel, dass es niemand wagt vehement zu widersprechen. Mein Mittlerer hört nun in der 2ten Klasse Homeschooling tagtäglich Sprachduschen an und mit meinem Kindergartensohn verbringe ich beim Sprachduschen kurz vor dem Schlafengehen gemeinsam Quality Time. Ich kann gar nicht früh genug anfangen. Wir sind nun schon bei Lektion 3 angelangt und ich mache mir inzwischen Hoffnung auf eine Verbesserung unseres schulischen Lebens.

Da es sich um ein Experiment handelt, werde ich berichten, wie das Englisch Lernen im Hause Collon weitergeht. Ich bin schon selbst gespannt!

Weitere interessante Links zur Birkenbihl – Methode:

Die Probleme der Birkenbihl-Methode

Interview mit Birkenbihl über das Sprachenlernen (8 Min.)

Jicki über die Birkenbihl Methode