Only human, after all

Es ist kalt die Luft friert. Ich friere, öffne schnell die Autotür und drehe den Zündschlüssel um. Was für ein Tag! Ich bin einfach endlos erschöpft. Da dröhnt mir „ I’m only human after all“ entgegen. Lauthals singe ich mit, verliere mich in diesem Song.

Some people got real problems Some people out of luck Some people think I can solve them Lord heaven above

Es schnürt mir die Kehle zusammen. Unser Sohn ist anders, war es irgendwie schon immer. Heute wieder endlose Gespräche mit der Schule. – Ein endloser Kampf um das Gesehen werden des Unverständlichen. Ich mittendrin als Vermittlerin, verantwortlich gemacht für das Verhalten meines Sohnes dessen Handlungen ich nur durch zäheste Beziehungsarbeit beeinflussen kann und die letzten Endes außerhalb meiner selbst liegen. Ich versuche meinen Sohn den anderen zu erklären. Gleichzeitig bin ich verständnisvoll für das Unverständnis der Lehrer. Es ist ein beständiger Drahtseilakt, der mich zermürbt. Das Leid meines Sohnes, der genauso sein will wie die anderen. Alles tut er dafür, um dabei zu sein und doch bleibt es zu wenig. Zu wenig, um sein Anders Sein akzeptabel für seine Umwelt zu machen.

Nur Rag’n Bone Man versteht mich.

I’m no prophet or Messiah Should go looking somewhere higher

Ich fahre vorbei an bunten Leuchtsternen und einem knallrot blinkenden Rentier. Weihnachten steht vor der Tür. Das stressigste Fest des Jahres mit dem Anspruch auf Idylle, Harmonie und Frieden. Frieden ersehne ich so sehr.

Should go looking somewhere higher

Ich richte meinen Fokus nach oben. Liebe ist anders, als ich dachte. Schmerzhaft und anstrengend, unentbehrlich, alles erfüllend und wunderschön zugleich. Gott ist anders – verrückt in der Kälte der Nacht in einer Krippe das Licht der Welt erblicken zu wollen. Unverständlich anders, voller Fragen und doch unentbehrlich, voller Liebe. Mein Sohn ist anders und Weihnachten eigentlich auch, dieses Jahr vielleicht.