Learning by doing

Jede Familie ist einzigartig. Homeschooling findet in der Familie statt und so ist Einzigartigkeit und Individualität wesentliches Kennzeichen des Homeschoolens. Jede Familie muss ihren eigenen „Lernweg“ finden. Es gibt nicht DIE Unterrichstmethode, mit der man erfolgreich unterrichtet. Aber es gibt verschiedene Methoden und Ansätze von denen ich mir, die für meine Familie sinnvollen herauspicke. Ich habe sehr gute Impulse und Anregungen von anderen Homeschoolern erhalten und so dürfen meine Söhne und ich gemeinsam unseren eigenen Weg gehen.

Am Ende des Schuljahres müssen alle daheim unterrichteten Kinder in Österreich eine Externistenprüfung ablegen. Nur wer diese besteht, darf im nächsten Jahr weiterhin daheim unterrichten. Wessen Kind „durchfällt“, der verwirkt sozusagen seine Homeschoollizenz. Daher ist t der Lehrplan, also der Inhalt der Schulbücher, maßgeblicher Bestandteil des Unterrichts. Mein Kind wird in der Externistenprüfung mehrere Stunden geprüft werden und muss den gesamten Jahresstoff parat haben. Ich muss mein Kind also nachhaltig unterrichten.  Bezüglich des Inhalts, also wann ein Kind was können soll, bewegen sich Homeschooler in Österreich zwangsläufig innerhalb des Schulsystems. Bei der Vermittlung des Lernstoffes jedoch haben wir Homeschooler freie Hand.

Beim Homeschooling Seminar 2017 der Christian Homeschooler (http://www.homeschoolerinaustria.at/) entdeckte ich durch Yasmin Luethi (https://lebenundlerneninrumaenien.wordpress.com/) die Unterrichtsmethode von Charlotte Mason. Yasmin ist eine hervorragende Pädagogin, nicht nur für Kinder auch für Erwachsene. Sie hat mich von Anfang an für Charlotte Mason begeistert.

In ihrer Methodik unterscheidet Charlotte Mason (https://www.charlottemasonbildung.at/ ) drei Grundpfeiler (Atmosphäre, Disziplin, Lebendige Ideen) Alle drei Säulen sind notwendig um nachhaltig, also für das Leben zu lernen.

Die Atmosphäre im Unterricht ist für mich ein tragender Grundpfeiler. Wissensvermittlung ist Beziehung. Erst eine vertrauensvolle, geschützte Umgebung ermöglicht es uns Menschen uns zu öffnen. Die Aufnahme von Wissen bedeutet Öffnung zur Welt und zu anderen Menschen hin. Meine Unterrichtsmethoden, die ich wähle, orientieren sich deshalb ganz an meinen Kindern. Ein jedes tickt anders und so wähle ich für jedes Kind die Methode, die seinen Bedürfnissen gerecht wird. Wie ich das herausfinde? Learning by doing. Ich mache Fehler und meine Kinder, geben mir schneller als mir lieb ist ihr Feedback. Wenn ich also merke, dass der Unterricht nur noch schleppend voran geht oder irgendwie Sand im Getriebe ist, stelle ich mir immer wieder folgende Fragen:

  • Auf welche Weise erwirbt mein Kind Wissen? Wie können wir möglichst viel Freude beim gemeinsamen Lernen haben?
  • Was motiviert mein Kind auch in Durststrecken am Ball zu bleiben?
  • Welche Hindernisse ergeben sich und wie können wir sie gemeinsam bewältigen? Wie kann ich mein Kind unterstützen die Welt zu entdecken?
  • Welche besonderen Stärken hat mein Kind?

Es ist eine spannende, aber auch herausfordernde Entdeckungsreise. Mein Ältester beispielsweise mag sehr gerne Projektarbeit. Allerdings ist es wichtig, ihn immer wieder zum Durchhalten zu ermuntern, damit er die Projekte auch zu Ende bringt. Gute Lern -DVDs helfen ihm Wissen zu festigen, da er alles Digitale heiß liebt. Für ihn sind Lern DVDs und auch Filme wichtige Hilfsmittel.

Auch unser Mittlerer liebt alles, was digital ist. Natürlich nutzt auch er die Lern-DVDs. Doch er fixiert sein Wissen besser auf andere Art und Weise. Wir haben viele Lernspiele, die wir gemeinsam spielen. Wenn er im Rahmen eines Mathespiels 20 Aufgaben lösen muss, ist das kein Problem.

Die Säule Disziplin nervt meine Kinder meistens. Doch ohne diese Säule ist für mich Homeschooling unmöglich. Charlotte Mason versteht unter Disziplin das Einüben guter Gewohnheiten. Wenn ich bei uns die Glocke läute, wissen alle, dass jetzt der Unterricht beginnt. Mir ist es wichtig, dass dann alle sofort kommen. Jetzt funktioniert das einwandfrei. Doch es bedurfte einer Zeit des Einübens bis die Kinder sich diese Gewohnheit zu eigen machten. Besonders schwer fiel es ihnen in der Früh automatisch den Geschirrspüler auszuräumen. Aber es wird immer besser. Im Unterricht zu Hause lernen die Kinder also wichtige Regeln des Zusammenlebens.

Dritte Säule lebendige Ideen: Trockene Fakten interessieren niemanden. Am besten lernen Menschen, wenn sie begeistert sind. Wissen, das von Interesse für das alltäglich Leben ist, ist interessant. Mein Ältester lernte, wie man einen Umfang berechnet indem er den Umfang unserer Terrasse ausmaß. Das Wesen der Flächenberechnung begriff er durch das Freischaufeln unserer zugeschneiten Terrasse. Unser Biologieunterricht beinhaltete viele praktische Unterrichtseinheiten. Zum Beispiel haben wir von den Ringelblumen im Garten eine Salbe angefertigt und dabei gelernt, welche heilende Wirkung diese Pflanze hat.