Ist eigentlich immer und überall die beste Devise. Heute früh musste ich mich selbst daran erinnern, denn es ging drunter und drüber. Kurz und knackig formuliert: Das Schulsystem löste, gekoppelt an unser Familiensystem in Sekundenschnelle einen Kurzschluss aus. Exit, Exit die Warnleuchte blinkte rot und heftig.

Unser Morgen fing damit an, dass wir Aufgaben nicht erledigen konnten, weil das Wlan sich verabschiedete. Dann versetzte mich die Erkenntnis, dass mein Ältester eine Menge Aufgaben nicht gemacht hatte in wilde Panik. Sofort tauchte ein imaginäres Gebirge vor mir auf, an dem ich meinen Ältesten auf alle Fälle teilhaben lassen wollte. „Es ist wichtig, dass er weiß vor welchem Abgrund er steht,“ befand ich. Mein Ältester verabschiedete sich daraufhin, ob der von mir aufgezeigten Hoffnungslosigkeit, gleich geistig in andere Sphären. Mein Mittlerer roch die Möglichkeit zur Anarchie und fing an lauthals selbstkomponierte Lieder zu singen, die bei meinem Ältesten einen Wutanfall provozierten. Mein Jüngster, eh schon schwer vernachlässigt aufgrund der Coronazustände, schloss sich der Rebellion meines Mittleren anzuschließen und trällerte fröhlich mit. Mein Mann hatte ein Online-Meeting und schrie:“Ruhe! Ich muss arbeiten“, um dann mit leiser Stimme in seinen Laptop zu flöten „äh please excuse me, äh the children you know … Corona … homeschooling.“

Ich bekenne: Seit Neuestem bin ich ein Zwitterwesen. – Halb Corona, halb everyday Homeschooler. Ich lebe in beiden Welten. Wenn die Anforderungen der Schule einen Kurzschluss in mir und den Kindern auslösen, raufe ich mir die Haare. Ich hyperventiliere. Oh Mann, wie komme ich aus diesem Film raus?

Ich weiß es eh und drücke schnell den Resetknopf. Ich versuche als guter Leithammel erst mal selbst wieder auf Spur zu kommen und flüstere mir zu:

Homeschooling ist kein klassischer Unterricht. Homeschooling ist anders.“ Dann schicke ich die Kinder an die frische Luft. Sollen sie draußen singen und ihr Hirn durchlüften. Ruhe breitet sich im Haus aus. Ich mache mir einen Kaffee und allmählich beruhigt sich mein Stammhirn wieder.

Immer alles ’step by step‘, meine Liebe,“ sage ich mir und greife zu meinem Handy. Ich telefoniere mit der Lehrerin, die gerne hätte, dass mein Ältester die Aufgaben schon vor drei Tagen erledigt gehabt hätte. Wir finden eine Lösung und können das Gebirge zu einem machbaren Hügel schrumpfen. Die Andere rufe ich an. Gemeinsam finden wir eine Weg, damit es seltener zu einem familiären Kurzschluss kommt. Ich schätze es sehr, dass mein Ältester in eine Schule geht, in der Lehrer unterrichten, mit denen ich Lösungen finden kann. Das ist wirklich alles andere als selbstverständlich.

Als ich wieder halbwegs im Lot bin, rufe ich die Kinder ins Haus und wir beginnen von vorne. Es ist kein Premium-Schultag, aber denoch ein Guter. Jetzt am Abend bin ich echt erschöpft. Ich nehme mir vor mich von den schulischen Anforderungen nicht mehr stressen zu lassen. Immer wenn das passiert, kollabiert bei uns alles. In Zukunft machen wir das was wir können und vor allem wie wir es können. Dann werden wir effizient gemeinsam lernen und dann haben wir auch wieder gute Momente.