Gute Gewohnheiten beim Lernen

“ Education is a Discipline …,“ sagte Charlotte Mason und meinte damit, dass uns beim Erlernen neuer Fähigkeiten, dem Entdecken wie die Welt funktioniert, dem Hineinwachsen ins Leben selbst, gute Gewohnheiten hilfreich sein können. Ob und welche Gewohnheiten wir als Kinder entwickeln, hängt maßgeblich von den Eltern ab. Denn wir Eltern, sind die Vorbilder unserer Kinder. Sie machen uns alles nach – gute und schlechte Gewohnheiten.

Die Bedeutung guter Gewohnheiten im Homeschoolalltag

Egal, ob wir unsere Kinder homeschoolen oder durch die Regelschule hindurch begleiten, wir können sie unterstützen, indem wir ihnen bei der Entwicklung guter Gewohnheiten helfen. Das Charakteristische an Gewohnheiten ist, dass wir sie irgendwann automatisch tun, ohne lange nachdenken zu müssen. Wenn wir Eltern beim Lernen auf die Entwicklung guter Gewohnheiten achten, können wir unseren Kindern helfen mühsame Aufgaben mit mehr Leichtigkeit zu überwinden. Bei jedem Kind müssen wir auf die Entwicklung unterschiedlicher Gewohnheiten achten, denn jedes Kind ist eine eigene Persönlichkeit, a born person, wie Charlotte Mason sagen würde. Jeder Mensch ist einzigartig und deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Kinder auf einzigartige Weise ins Leben begleiten. Manche Kinder sind von Haus aus sehr strukturiert und brauchen die von mir angeführten Gewohnheiten nicht lange zu üben. Dafür ist es für diese Kinder vielleicht wichtig andere Gewohnheiten einzuüben. It’s up to you! Seid also aufmerksam und schaut genau hin, was euren Kindern wirklich hilft.

Gute Gewohnheiten als Fehlervermeidungsstrategie

„Es ist nicht schlimm Fehler zu machen. Wichtig ist, dass wir sie erkennen und daraus lernen.“ Das sage ich immer zu meinen Söhnen, wenn sie traurig sind einen Fehler gemacht zu haben. Mir ist es beispielsweise wichtig, dass meine Kinder, wenn sie einen Text schreiben, diesen am Ende nochmals laut lesen. Beim nochmaligen Lesen können vor allem Kinder, die eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben, Fehler entdecken. Kinder mit Lernschwächen können sich beim Schreiben oftmals nur kurz konzentrieren und vergessen dann leicht einmal einen Buchstaben oder ein Wort. Wer sich angewöhnt seine Texte nochmals durchzulesen bevor er sie abgibt, kann solche Fehler besser vermeiden. Ich finde, dass diese Angewohnheit auch im späteren Berufsleben einmal von großem Nutzen sein kann. Es ist unsere Aufgabe als Homeschool-Eltern den Kindern gute Gewohnheiten als Fehlervermeidungsstrategie anzubieten.

Gute Gewohnheiten helfen den Überblick zu wahren

Das Wesen der Mathematik ist Ordnung und Struktur. Deshalb ist es wichtig von Anbeginn an zu lernen Aufgaben ordentlich zu schreiben. Zwei Kästchen Abstand zum Rand hin oder zwischen den Aufgaben erhöhen die Lesbarkeit der erledigten Aufgaben. Prüfer wissen das zu schätzen und reagieren in der Regel positiv auf solche Angewohnheiten. Gerade in Mathematik helfen solche Regeln aber auch die Aufgaben besser zu verstehen und Fehler zu vermeiden. Ich versuche meine Söhne dazu zu bringen Zahlen ordentlich in die Kästchen zu schreiben, so dass Einer gut leserlich unter Einern stehen und Zehner unter Zehnern. Denn so kann Leichtsinnsfehlern beim Rechnen vorgebeugt werden. Wer das als Kind von Anbeginn an als gute Gewohnheit übernimmt, erspart sich später viel Ärger. Deshalb ist es unsere Aufgabe als Homeschool-Eltern von Anfang an unseren Kindern zu zeigen auf was sie achten sollten. Eine gute neue Gewohnheit zu erlernen ist viel einfacher, als eine schlechte in eine gute zu transformieren.

Textaufgaben werden eigentlich immer nach dem gleichen Prinzip gelöst. Ich habe meinem Homeschoolkind dieses Prinzip erklärt und wir üben es regelmässig, damit er es automatisch bei jeder Textaufgabe anwendet. Dadurch soll die gute Gewohnheit geübt werden strategisch Sachaufgaben zu lösen.

Schritt für Schritt handwerkliche Fähigkeiten erlernen durch regelmässiges Üben

Alles was wir regelmäßig tun, wird irgendwann zu einer Gewohnheit. Da sich mein Mittlerer aufgrund seiner leichten Dyspraxie gerade beim Erlernen handwerklicher Fähigkeiten sehr schwer tut, führe ich ihn in kleinen Schritten heran. Häkeln beispielsweise, war lange Zeit unvorstellbar. Dann entschieden wir uns jeden Tag zu üben und zwar nur die Luftmaschen. Ich setzte mich hinter meinen Sohn und wir führten die Bewegung zunächst gemeinsam aus. Das machten wir jeden Tag gemeinsam so lange bis er die Bewegung flüssig mit gemeinsam ausführen konnte. Allmählich in kleinen Schritten zog ich mich zurück und siehe da: Nach drei Wochen konnte er ohne mich Luftmaschen häkeln.

Education is a discipline… dieses Beispiel zeigt, wie Kinder durch Regelmäßigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe allmählich Fertigkeiten oder Wissen erwerben können. Wichtig ist, dass wir unsere Kinder fordern ohne sie zu überfordern. Das bedeutet solche herausfordernden Einheiten zwar regelmäßig, aber in kleinen Portionen anzubieten. Wir häkelten jeden Tag maximal 10 Minuten. Für andere Kinder häkeln vielleicht von Anbeginn mit Leichtigkeit. In diesem Fall kann man natürlich längere Einheiten vorsehen. Meine Kinder beispielsweise können sich mit Leichtigkeit große Texteinheiten anhören und gut wiedergeben. Vielleicht ist das für andere Kinder schwieriger und es ist für sie wichtig in diesem Bereich konzentrietes Zuhören einzuüben.

Es ist also an uns Eltern zu unterscheiden, wo und wie wir gute Gewohnheiten einüben. Das ist für jede Familie anders und für die Mitglieder innerhalb der Familie wahrscheinlich ebenfalls.

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