Das Corona Wunder

Hoch und heilig habe ich unserem jüngsten Sohn versprochen, dass ich heute mit ihm gemeinsam Bilder ausmalen werde. „Wir haben es gestern schon verschoben,“ raunzt er und seine zwei blaue Augen blicken mich vorwurfsvoll an. Oh nein, ich kann das jetzt nicht schon wieder verschieben. Wenn ich in seine zwei Augen blicke, weiß ich, dass er in Zeiten von Corona eh schon sehr viel zurückstecken muss.

Corona bedingt, unterrichte ich nun nicht nur unseren Mittleren, sondern auch wieder unseren Ältesten daheim. Unser Kindergartenkind muss sich deshalb sehr viel alleine beschäftigten. Das macht er wirklich gut. Während die beiden Ältesten Mathe und Deutsch büffeln, rüstet er seine Legoflotte auf, klettert im Baumhaus herum oder malt Bilder. Manchmal will er auch, dass ich ihm wie den Großen eine Aufgabe stelle. Gerechtigkeit muss sein und so darf er halt ausmalen nach Zahlen. In letzter Zeit wird er immer öfter aufmüpfig. Auch er kann schreien und schimpfen, und wie. Ihm reicht’s nie ist Zeit für ihn, viel zu lange ist es her, dass wir gemeinsam gebastelt haben.

So schauen mich seine beiden Augen erwartungsvoll an. Ich habe verstanden und schnappe uns Stifte und Ausmalheft. Musik spielt angenehm im Hintergrund. Im oberen Stockwerk hören die beiden Älteren konzentriert einem Hörspiel zu. Mein Jüngster und ich malen die bunteste und schönste Stadt, die es überhaupt geben kann.

Da kommt mein Mittlerer herein. Eigentlich ist Ausmalen nicht so sein Ding. Feinmotorisch ist er aufgrund seiner Beschaffenheit recht herausgefordert. Als er uns so harmonisch malen sieht, klinkt er sich ein. „Der Himmel sollte schwarz sein. Dann leuchtet alles viel stärker.“ „Stimmt, coole Idee,“ antworte ich und nehme einen schwarzen Stift in die Hand. „Hey und dann noch dort ein lila Haus.“ Sagt’s und beginnt zu malen.

Mein Herz geht auf, wird weit. Unser Jüngster hat unseren Mittleren dazu motiviert seine Feinmotorik zu stärken. Das ging so natürlich und selbstverständlich, dass es niemand hätte besser machen könnte.

Am nächsten Morgen: Ich stehe in der Küche, mache mir einen Kaffee und traue meinen Ohren nicht. „Also, zwei mal zwei, guck zwei Finger und nochmal zwei Finger sind wieviel Finger?“ Mein Ältester schaut unseren Jüngsten erwartungsvoll an. „Fünf?“ Der Kleine strahlt und mein Großer räuspert sich geduldig:“ Zähl mal.“ „Oh vier.“ „Gut und jetzt vier mal zwei.“ „Du das lern ich dann in der Schule. Ich muss jetzt aufs Klo, “ „Hey, aber wenn du das jetzt lernst, bist du der Beste. Das willst du doch, oder? Also komm schon, vier mal zwei, vier Finger plus vier Finger?“

Geschwister sind die besten Impulsgeber. Corona bringt unsere gerade enger zusammen. Sie inspirieren sich gegenseitig, lernen voneinander und miteinander.