Geschichten schreiben mit Postkarten

Durch die Nacherzählmethodik von Charlotte Mason, die wir täglich anwenden, gewöhnen sich meine Kinder ans strukturierte Erzählen. Es hilft ihnen zu unterscheiden, was in einer Geschichte wesentlich für das Verständnis ist.

Dieses Verstehen ist natürlich sehr hilfreich, um selbst Geschichten schreiben zu können. Selbst eine Geschichte zu schreiben, erfordert jedoch noch andere Fähigkeiten und ist deshalb eine eigene Herausforderung. Auch hier ist regelmäßiges Üben die Grundlage für den Erfolg. Gerade, wenn etwas häufig geübt werden sollte, ist es wichtig, dass es auch Freude macht.

Mit meinem Mittleren, der daheim in der 2. Klasse Volkschule unterrichtet wird, habe ich eine Methode gefunden, die uns beiden Spaß macht. Wir haben zu Hause einen ganzen Karton mit alten Postkarten. Er darf sich eine Karte raussuchen, die ihn anspricht. Dann unterhalten wir uns gemeinsam über das Bild auf der Karte. Das gemeinsame Gespräch ist sehr wichtig, um Ideen für die Geschichte zu entwickeln. Gerade wenn man mit dieser Methode beginnt, ist es wichtig Fragen zu stellen. Fragen stellen, ist aber auch dann wichtig, wenn die Ideen gerade mal recht mager sind.

  • Wer ist auf dem Bild zusehen? Welche Gegenstände sind auf dem Bild?
  • Was passiert? Wer macht was? Was ist vielleicht im Vorfeld passiert?
  • Welche Gefühle haben die Personen? Welche Stimmung kann ich wahrnehmen?
  • Was mag als nächstes passieren?

Wenn wir das Bild ausreichend besprochen haben und klar ist, welche Geschichte dahinterstecken könnte, steht dem Schreiben nichts mehr im Wege. Viele Kinder können dann sicherlich ohne weitere Hilfe fünf Sätze zu einer Postkarte schreiben. Mit dieser Methode bereite ich meinen Sohn auf das Schreiben einer Bildgeschichte vor.

Besondere Föderung bei ADHS bzw. Kindern mit kleiner Aufmerksamkeitsspanne und mangelnder Impulskontrolle

Da unser Mittlerer ADHS hat, ist es für ihn schwierig längere Zeit ‚online‘, also, bei einer Sache zu bleiben. Deshalb muss er mir jeden Satz, den er schreiben will laut mitteilen. Das hilft ihm den Satz im Kopf zu behalten. Dann beginnt ein Spiel, dass wir oft beide lustig finden. Egal was ich tue oder sage (Beispiel: Ich mache eine Grimasse. Sage einen unsinnigen Satz, spreche ihn an), er muss versuchen seinen Satz ohne Unterbrechung fertig zu schreiben. Er darf auf keine Frage, die ich ihm stelle, reagieren. Keine Aktion, die ich mache, um ihn abzulenken, darf ihn von diesem Satz ablenken. Diese Challenge trägt dazu bei, dass er langsam, aber sicher seine Aufmerksamkeitsspanne verlängert. Wenn er den Satz fertig geschrieben hat, liest er ihn nochmals laut vor, prüft ihn auf Rechtschreibfehler, bessert sie aus und dann sagt er mir, welchen Satz er als nächstes schreiben wird. Unser Ziel ist es momentan pro Postkarte fünf Sätze zu schreiben.