Erste-Hilfe für Homeschool-Anfänger

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Wie die Jungfrau zum Kinde, so mag es sich wohl für viele Eltern anfühlen, die momentan unverhofft und plötzlich mit dem Thema „häuslicher Unterricht“ konfrontiert werden. Hausaufgaben machen, ist für die meisten, die ich kenne, schon der blanke Horror.

Tief durchatmen und entspannen, möchte ich allen raten, denen das Herz in die Hose rutscht. Alles ist halb so wild, wenn man ein paar grundsätzliche Regeln beachtet. Ich unterrichte seit drei Jahren daheim und möchte hier ein paar Erfahrungen teilen, die vielleicht dem einen oder anderen hilfreich sind.

Jede Familie ist einzigartig. Es gibt so viele Homeschooling-Methoden, wie es Homeschooler gibt.

Macht auf keinen Fall den Fehler und glaubt, dass der Unterricht zu Hause mit dem in der Schule vergleichbar wäre. Daheim gibt es noch den Haushalt zu erledigen, vielleicht Homeoffice. Außerdem haben Eltern eine andere Verbindung zu ihren Kindern als Lehrer. Homeschooling ist anders. Jede Familie ist einzigartig. Aufgrund der verschiedenen Charaktere, Talente, Stärken und Schwächen der einzelnen Mitglieder kann man keine Methode, die daheim angewandt wird, 1:1 von einer anderen Familie übernehmen. Jeder muss für sich herausfinden, wie seine Kinder und er mit ihnen, am besten lernt. Vergleiche mit anderen sind deshalb sinnlos. Probiert aus was am besten zu eurer Familie passt!

Eine gute Tagesstruktur ist die halbe Miete

Beginnt jeden Tag am Morgen um die gleiche Uhrzeit. Überlegt euch zu welcher Zeit ihr stressfrei und in einem guten Ambiente beginnen könnt. Wir beginnen immer um 9 Uhr am Morgen. Zu diesem Zeitpunkt schaffen wir es gut, dass alle gefrühstückt haben, angezogen sind, die Waschmaschine läuft und wir legen los mit dem Lernen.

Seid Leithammel und kommuniziert klar und eindeutig mit euren Kindern

Wir haben eine kleine Glocke. Wenn diese läutet, wissen alle Kinder, dass jetzt der Unterricht beginnt. Diese Glocke kommt um 9 Uhr zum Einsatz, aber auch wenn Pausen vorbei sind. Lasst euch bloß auf keine Diskussionen bezüglich Beginnzeiten oder fixierter Pausenzeit ein! Ihr seid die Leithammel und wisst am besten, wann und wie was zu erledigen ist.  Auch sonst ist es wichtig, dass die Kinder wissen, was ihr wollt, bis wann sie was erledigt haben sollen usw..

Rituale und gleichbleibende Abläufe können hilfreich sein

Wir beginnen den Unterricht immer mit dem Vorlesen einer Geschichte. Es handelt sich hierbei um ein Buch, aus dem ich jeden Tag vorlese. Wir kuscheln uns alle gemütlich auf das Sofa und ich lese vor. Wir alle lieben das und so haben wir oft einen guten Start.

Bindet die Kinder so in den Haushalt mit ein, dass sie euch unterstützen

Ich schaffe den Haushalt nur, wenn sich auch die Kinder an gewissen Aufgaben beteiligen. Mir ist es beispielsweise wichtig, dass sie den Geschirrspüler aufräumen, Tisch decken oder die Schuhe im Gang ordnen. Staubsaugen lasse ich sie meistens nicht, weil ich dann meistens nochmals saugen darf. Meine Kinder übersehen in der Regel die Hälfte der Krümel. Ich wähle die Aufgaben so aus, dass mich die Kinder damit wirklich unterstützen. Sonst ärgere ich mich nur.

Homeschooling ist aktive Auseinandersetzung mit den Kindern

Durch den Unterricht daheim habe ich meine Söhne nochmals viel tiefer und intensiver kennengelernt. Auch sie wissen durch das gemeinsame Lernen und Wachsen sehr genau was mir wichtig ist. Dieses gemeinsame Entdecken der Persönlichkeiten ist eine wunderbare und tolle Erfahrung. Allerdings ist es eben eine Auseinandersetzung miteinander, ein gemeinsames Lernen und Wachsen. Solche Prozesse sind immer auch anstrengend. Nichts ist perfekt und es gibt Tage da denke ich mir nur:“ What the fuck …. ?“

Auszeiten für sich selbst einplanen

Nach dem Mittagessen ist immer meine Zeit. Die Kinder dürfen auf spotify ein Hörspiel anhören. Ich mache Siesta, schreibe einen Artikel oder lese ein Buch. Momentan macht mein Mann aufgrund des Coronavirus Homeoffice. Noch bevor die Kinder aufstehen, gehen wir gemeinsam Nordic Walken. Diese Zeiten, sind enorm wichtig für uns, da ich nur dann die Kinder gut versorgen kann, wenn ich mich selbst möglichst gut versorge. Das vergesse ich sehr gerne und merke meistens, wenn ich grantig werde, dass ich mal wieder vergessen habe auf mich selbst zu achten.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Manchmal habe ich den Eindruck, dass alles schiefläuft. Das ist normal und es geht jedem mal so. Seid barmherzig mit euch selbst. Heult euch bei einer Freundin aus oder macht einen Spaziergang. Lernt vor allem aus euren Fehlern. Es bringt nichts sich schuldig zu fühlen, wenn man mal was falsch gemacht hat. Wenn ihr aber lernt euch zu ändern,  dann wachst ihr und mit euch die Kinder.

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