Die Homeschool – Mum

Wer oder was ist sie? Es gibt so viele Facetten von ihr. Derzeit wandelt sich ihr Bild rasant. Heimchen hinter dem Herd oder Superwoman? Neulich las ich: Die derzeitige Corona – Situation werfe die Frauen wieder um 50 Jahre zurück? Ist das so? Muss das so sein? In einer besseren Welt, von der ich träume, wird honoriert, was Frauen daheim leisten.

Obwohl ich weiß, dass ich mich mit meiner Homeschool-Tätigkeit aus weltlicher Sicht aufs Abstellgleis begebe, tue ich es. Warum? Weil es für MEINE Kinder das Beste ist und ich sie mehr liebe als die Pläne meines Lebens, die ich mir in jungen Jahren machte.

Die Homeschool – Mum ist eine Heldin! Alle Homeschool-Mums sind aus meiner Sicht Heldinnen. Jede Mama, die auf welche Weise auch immer, das Beste für ihre Kinder gibt, ist eine Heldin. Und auch die Papas beteiligen sich immer häufiger an dieser Form des Heldentums. Meine bessere Hälfte rührt regelmäßig im Kochtopf herum und man stelle sich vor seit Corona kümmert er sich ab und zu um die Wäsche.

Echte Heldinnen verzweifeln ab und zu

Helden sind nur Helden, weil sie Canyons durchschwimmen und die höchsten Berge erklimmen. Helden müssen zwangsläufig mal hoffnungslos und verzweifelt sein. Erst der Gang durchs finstere Tal, erst die schweißtreibende Kletterei, führt uns auf den Olymp. Leider ist das Heldentum der Homeschool – Mum keine James Bond Verfilmung. Meine Kämpfe sind so trivial, dass sie mich oft aufgrund ihrer Banalität frustrieren. Es sind Kämpfe, die jede Familie hat. Die Homeschool – Mum hat sich in diesem Sinne für eine Art rund um die Uhr Kampf entschieden.

Vom Kampf um die Banalitäten im Homeschooling – Oder wie eine Schiffsglocke mein Leben änderte

Lange Zeit kämpfte ich darum pünktlich mit dem Unterricht zu beginnen. Es ist mir peinlich. Aber ja, es bereitete mir echte Probleme. „Bitte komm runter, wir beginnen,“ rief ich regelmäßig. Stille wie im Weltall. „Die Pause ist vorbei!“ Keine Reaktion. Meine Stimme nahm einen schrillen Tonfall an. „Wir beginnen JETZT.“ Ach ja, ich vergaß den Zeitpunkt zu präzisieren, wie ungeschickt von mir. Trotz dieser unverzeihlichen Fahrlässigkeit meinerseits brüllte ich spätestens zu diesem Zeitpunkt: „Wird’s bald?“  Da zog ein Brandgeruch in meine Nase. Oh mein Gott, das Mittagessen. Ich rannte in die Küche. Das Mittagessen war im Eimer. Ich schluckte die Tränen runter und freute mich, dass ich eine Tiefkühlpizza im Gefrierfach hatte. „Ich bin halt doch perfekt in meinem Wahnsinn,“ dachte ich und verspürte einen Hauch von Trost. Eine Schiffsglocke, sollte mein Leben verändern.  Ich hörte mit der Brüllerei auf und begann zu Läuten So geschah das Wunder: Seither kommen meine Söhne zu Unterrichtsbeginn angelaufen. Fehlt nur noch, dass sie strammstehen. Das wäre mir dann aber doch peinlich. Jedes Mal, wenn das wie am Schnürchen klappt, freue ich mich wie eine Schneekönigin. Was nur hat die Schiffsglocke, was ich nicht habe? Ich habe aufgehört mir solche Fragen zu stellen. Hauptsache es funktioniert.

Echte Sternstunden, die Verbindung schaffen und mehr wert sind als alles Gold der Welt

Echte Sternstunden sind die Momente, in denen ich einen meiner Söhne vom Unverständnis ins Verständnis begleitet darf. Die schriftliche Division brachte meinen Ältesten und mich dazu fast an den Rande des Wahnsinns. „Das schaffe ich nie,“ brüllte er und ich widerstand der Versuchung ihm zuzustimmen. „Mit mir gemeinsam schaffst du das,“ sagte ich ruhig und machte uns beiden Mut. „Nie, schaffe ich das,“ schluchzte er. Als ihm zwei Tage später ein Licht aufging, war ich dabei. Es war ein unvergesslicher Moment, der uns auf ewig bleiben wird. Ein solcher Prozess ist unsagbar wertvoll, denn wir haben gemeinsam die Welt entdeckt. So was schafft ein tiefes Vertrauen und Verständnis für einander.  Nie und nimmer möchte ich solche Momente missen. Das macht mich aus als Homeschool – Mum und deshalb bin ich dabei.

Photo inkl. Beitrag zur derzeitigen Homeschool – Situation: https://www.cake.co/conversations/dj20HKH/how-about-that-homeschooling