Apokalypse now?

Der Sekt rinnt mir prickelnd die Kehle runter. Die Grillen zirpen. Mein Liebster und ich sitzen entspannt, im Genußmoment versunken auf der Terrasse. Ich bin versucht „it’s summer time“ zu singen. Doch im April entspricht das einfach nicht der Wahrheit auch wenn wir uns, während wir in die Sterne blicken, genau so fühlen.

„Da, da siehst du das auch?“ Mein Liebster wirkt deplaziert aufgeregt und zeigt in den Sternenhimmel. „Was für ein Problem hat er nur?“ frage ich mich irritiert. „Schau in den Himmel!“ Tatsächlich, da sehe ich es auch, leuchtende Glühwürmchen weit oben im Himmel, die aussehen wie Sterne? Satelliten? Flugzeuge? Sie fliegen im Konvoi, meist in gleichem Abstand zueinander. „Eine Hilfsladung Schutzmasken aus China?“ rate ich. „Bei der Anzahl an Leuchtpunkten können wir dann jetzt aber darin baden.“ kontert mein Liebster und sein Gesicht bleibt ernst und beunruhigt. „Oh nein,“ platzt es aus mir raus und ich lache ,“du denkst an Kingsman?“ Das ist der Agentenfilm, den wir uns gestern zur Zerstreuung angeschaut hatten und in dem der Missbrauch von Satelliten fast zur Zerstörung eines Großteils der Menschheit beiträgt. Obwohl das völlig absurd ist, merke ich wie sich allmählich Gänsehaut einstellt.

Wir rufen unsere belesenen, in jedem Fachgebiet topinformierten Freunde an, so verunsichert sind wir. Unsere Freunde sind höfliche Menschen und so sagten sie nichts. Aber ich fürchte, sie hielten uns anfangs für ein bisschen übergeschnappt. Auf alle Fälle stellten sie sich auch in den Garten und waren fassungslos. Ein befriedigendes Gefühl, wenn die eigene Zurechnungsfähigkeit rehabilitiert wird und man außerdem das Gefühl der Ratlosigkeit teilen kann. „What the fuck ist das?“ fragten wir uns in unterschiedlichen Variationen an unterschiedlichen Orten stehend, alberten herum und verabschiedeten uns dann wieder.

Fünf Minuten später macht mein Handy blink. Wieder einmal hatte ich den richtigen Riecher und meine Freundin löste das Problem mit der linken Hand. Alle zwei Wochen, so lese ich, schießt ein SpaceX, ein privates Weltraumunternehmen, mit einer Falcon-9-Rakete rund 60 Satelliten ins Weltall. So soll sukzessive eine Konstellation von 12.000 Satelliten entstehen. Die Zielanzahl 42.000 Satelliten im niedrigen Erdorbit, bringt meinen Atem ins Stocken. Starlink Trains wird diese Karawane inzwischen auch schon genannt. Starlinktrains sollen unser Leben verbessern. Das beste Internet zum Wohle der Menschheit soll dadurch erschaffen werden. Echte Altruisten wie Amazon engagieren sich für das Projekt und jetzt habe ich Gänsehaut – am ganzen Körper.

Klimaschutz hier auf Erden ist eine ebenso dringliche Angelegenheit wie Corona, meinen viele. Weltraumschutz ist noch kein Thema. Diese ganze Angelegenheit hat den Duft von Macht, Kontrolle und bedarf unseres Schutzes unserer Unterstützung!

Bitte unterzeichnet die Petition zum Schutz des Weltraums

Presseberichte über die die Starlink Karawane, beachtlich ist die geringe Anzahl an Artikel, die bei spontaner Suche aufpoppen.

FutureZone berichtet wie man die Starlink Karawane am Himmel finden kann

Die Kronenzeitung berichtete im Jänner 2020 darüber

Bericht in der Freien Presse